Ohne Vorurteile denken. Mit Dr. Janine Landtwing auf der Suche nach Brücken zwischen den Weltreligionen

Ohne Vorurteile denken. Mit Dr. Janine Landtwing auf der Suche nach Brücken zwischen den Weltreligionen

Ohne Vorurteile denken. Mit Dr. Janine Landtwing auf der Suche nach Brücken zwischen den Weltreligionen

Denke ohne Vorurteile. Betrachte alle denkbaren Kombinationen. Lass keine Möglichkeit von vornherein wegfallen. Mit dieser Haltung besuchen Dr. Janine Landtwing und ich Kirchen und Kapellen, suchen nach Verbindungen zwischen den Religionen und geben auch Daniel Düsentrieb Raum für eine neue Idee.

 


Abb. 1: Janine und Lars, gemeinsam auf Spurensuche zwischen Glauben, Wissenschaft und Kreativität.

 

Janine Landtwing, das seltene Element Jn
Es gibt Menschen, mit denen ein Gespräch nach wenigen Minuten neue Türen öffnet. Für mich gehört die grossartige Dr. Janine Landtwing dazu. Als Psychologin verbindet sie wissenschaftliche Neugier mit aussergewöhnlicher Vorstellungskraft. Sie hört aufmerksam zu, erkennt überraschende Verbindungen und traut sich, Fragen zu stellen, auf die es noch keine fertigen Antworten gibt.

In unserem Alchemie-Gespräch⁠ habe ich sie augenzwinkernd das seltene Element Janinium (Jn) genannt. Je besser ich Janine kennenlerne, desto passender finde ich diesen Namen.
Sie bringt Gedanken in Bewegung und ermutigt andere, ihrem eigenen Entdeckergeist zu vertrauen.
=> Link zum Alchemie-Gespräch

Mit ihr möchte ich einer Frage nachgehen, die mich schon lange beschäftigt.
Wie können die Weltreligionen friedvoller zusammenfinden, ohne dass Menschen ihre Überzeugungen aufgeben müssen?


Unsere Reise durch die Kapellen

Unsere gemeinsame Spurensuche führte uns in die Kirche St. Karl Borromäus in Finstersee⁠, in die der heiligen Elisabeth gewidmete Kapelle der Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) in Menzingen sowie in die Bartholomäus-Kapelle in Edlibach.

Janine und ich betreten diese Räume mit Neugier. Wir schauen hin, lassen die Stille wirken und sprechen darüber, was ein Ort in uns auslöst. Manchmal beginnt ein Gedanke beim Licht, das durch ein Fenster fällt. Manchmal bei einer Darstellung am Altar. Und manchmal bei der Frage, wie Menschen mit ganz unterschiedlichen Glaubensvorstellungen miteinander ins Gespräch kommen können.

 


Abb. 2: Zwischen Kirchenbänken und Altar, ein Raum für Stille und neue Fragen.
Bartholomäus-Kapelle, Edlibach.

 

Der Tannzapfen
Seit meiner Tannzapfen-Phobie⁠ und dem erhellenden Gespräch mit Janine hat der Tannzapfen für mich eine tiefere Bedeutung. Seine Schuppen schützen, was in ihm heranwächst; unter passenden Bedingungen öffnet er sich. Im Vatikan steht ein gewaltiger bronzener Pinienzapfen, nach dem der Cortile della Pigna benannt ist.


Abb. 3: Auf dem Cortile della Pigna (dem “Hof des Tannenzapfens”) im Vatikan steht ein vier Meter hoher Bronze-Zapfen, ein Werk aus dem antiken Rom. Ursprünglich war er Teil eines Brunnens; also Lebensquelle. Heute thront er in einem symbolträchtigen Innenhof nahe der Päpstlichen Residenz. Bildquelle: Wikipedia.

Die Auflösung meiner „Tannzapfen-Phobie“ lässt sich hier nachlesen.
=> Link zur Auflösung der „Tannzapfen-Phobie“

Mit Janine frage ich mich.
Was brauchen wir, um uns für andere Sichtweisen zu öffnen? Der Tannzapfen erinnert mich daran, dass Offenheit Zeit und geeignete Bedingungen braucht.


Abb. 4: In der heiligen Elisabeth gewidmete Kapelle der Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) in Menzingen.

 

Das «dritte Auge» und die Kunst des Hinsehens
In manchen hinduistischen und buddhistischen Traditionen ist das «dritte Auge» ein Bild für innere Wahrnehmung und Einsicht. Christliche Kontemplation kennt ebenfalls das bewusste Innehalten und Hinhören. Die Traditionen unterscheiden sich in ihrem Verständnis; gerade das macht ein aufmerksames Gespräch spannend.

Oft wird in diesem Zusammenhang die Zirbeldrüse erwähnt. Biologisch ist sie an der Steuerung unseres Tag-Nacht-Rhythmus beteiligt. Dass sie ein spirituelles «drittes Auge» sei, ist wissenschaftlich nicht belegt. Als Metapher regt mich der Gedanke dennoch an. Können wir lernen, genauer hinzusehen, auch bei einem Menschen, den wir bisher vorschnell eingeordnet haben?

Janine bringt für solche Fragen eine besondere Gabe mit. Sie verbindet analytisches Denken mit Offenheit für Bilder, Erfahrungen und neue Perspektiven. Im Gespräch mit ihr bleiben grosse Ideen nicht im Abstrakten. Es geht immer auch darum, wie wir einander im Alltag begegnen.

Ohne Vorurteile denken
Für unsere Gespräche nehmen Janine und ich einen Gedanken mit, der ebenso zur Spiritualität wie zum Erfinden passt:

– Denke ohne Vorurteile.
– Betrachte alle denkbaren Kombinationen.
– Lass keine Möglichkeit von vornherein wegfallen.

Dabei lohnt sich ein genauer Blick auf das Wort „Überzeugung“. Janine gab zu bedenken, dass jemand sagen kann: „Ich bin überzeugt, dass …“, ohne es selbst überprüft zu haben, vielleicht, weil viele andere dasselbe sagen. Eine solche Überzeugung darf hinterfragt werden. Dazu gibt es noch eine weitere Seite oder Aspekt. Manche Überzeugungen wachsen aus eigener, tiefgreifender Erfahrung. Für den Menschen, der sie gemacht hat, fühlen sie sich weniger wie ein übernommener Gedanke an, sondern wie inneres Wissen. Diese Erfahrung verdient Respekt, auch wenn ein anderer Mensch sie nicht teilen oder von aussen bestätigen kann.
Janine brachte unseren Austausch treffend weiter, dass selbst eine tiefgreifende Erfahrung und die daraus entstandene Überzeugung nicht «in Zement gegossen» und schon gar nicht automatisch für alle anderen „in Stein gemeisselt“ ist.
Vielleicht liegt genau darin ein Schlüssel für einen wertschöpfenden Dialog zwischen den Religionen.
Wir nehmen unsere eigene Erfahrungen ernst, ohne sie anderen vorzuschreiben. Wir hören zu, was ihre Überzeugungen für sie bedeuten, ohne diese vorschnell zu übernehmen oder abzuwerten. Zugleich bleiben wir offen, unsere Annahmen zu prüfen. So können aus ungewohnten Fragen neue Einsichten und Verbindungen wachsen.


Abb. 5: Mit Janine Landtwing, feinfühlig, klar und von einer Präsenz, die trägt. Kirche St. Karl Borromäus, Finstersee.
=> Link zur St. Karl Borromäus Kontemplation

 

Eine Friedensbrücke zwischen den Religionen
Wenn ich von einer Harmonisierung der Weltreligionen spreche, meine ich einen Prozess der Begegnung. Menschen dürfen ihre Überzeugungen behalten und zugleich neugierig aufeinander sein. Wir können Unterschiede benennen und gemeinsam nach Wegen suchen, mit Mitgefühl, Wahrhaftigkeit und Verantwortung zu handeln.

Unsere Kirchenbesuche sind kleine Schritte. Sie machen Janine und mich neugierig auf weitere Gespräche, auch mit Menschen anderer Religionen und mit jenen, die keiner angehören. Eine Friedensbrücke entsteht, wenn Menschen von beiden Seiten bereit sind, aufeinander zuzugehen.


Abb. 6: Vor dem Gnadenstuhl in der Bartholomäus-Kapelle, Edlibach. Von der weltlichen Bühne zum stillen Geheimnis, hier leuchtet die Dreifaltigkeit als Quelle aller Liebe.
Die Auferstehung Christi wird in der Kapelle hingegen nicht dargestellt.

 

Daniel Düsentrieb hat eine Idee
Und weil ich bei all dem Ingenieur und Erfinder bleibe, meldet sich mein innerer Daniel Düsentrieb: Könnte ein kleines Device einen Moment der Sammlung anstossen und so Spiritualität und Kreativität im Alltag leichter zugänglich machen, ohne endlose Meditation?

Noch ist das eine Erfindungsidee, kein fertiges Gerät und kein Schalter für die Zirbeldrüse. Vielleicht könnte ein Impuls aus Licht, Klang oder einer überraschenden Frage helfen, den gewohnten Gedankenstrom kurz zu unterbrechen. Was nehme ich wahr? Was könnte ich anders sehen? Wem könnte ich heute offener begegnen?

Ich bin gespannt, wohin uns diese Idee führt. Denn genau das macht die Reise mit Janine für mich so wertvoll.
Wir können ohne Vorurteile fragen, Möglichkeiten durchspielen und offenbleiben für Verbindungen, die wir vorher noch nicht gesehen haben.


Abb. 7: Ein weiter heiterer Moment in der Bartholomäus-Kapelle in Edlibach. Im Hintergrund steht eine Darstellung des heiligen Erasmus (St. Elmo), Bischof von Formiae.
Sein Martyrium wird in der Kapelle dargestellt. Der Überlieferung nach wurden seine Eingeweide mit einer Seilwinde herausgedreht.
Wir freuen uns trotzdem.

 

Liebe Janine, herzlichen Dank für Deine Tiefe, Deine Klarheit, Deinen Entdeckergeist und Deine grossartige Begleitung auf diesem Weg.
Ich freue mich auf unsere nächsten Gespräche, Kirchenbesuche und Erfindungen. Die nächste Tür wartet bestimmt schon auf uns. ✨🚀

 

Addendum 

Eine bildliche Reise durch religiöse Traditionen.
Die nachfolgenden Bilder verbinden echte Fotografien mit kreativen Darstellungen. Sie laden dazu ein, Symbole und Formen der Besinnung aus verschiedenen Traditionen zu betrachten, mit Respekt vor ihren Unterschieden und Neugier auf mögliche Verbindungen.
Eine Frage, die uns dabei begleitet:
Gibt es zwischen dem Bild des „dritten Auges“ und anderen Vorstellungen innerer Wahrnehmung Berührungspunkte oder sogar Gemeinsamkeiten?

Abb. 8: Dr. Janine Landtwing als Schamanin. Ihre Offenheit für spirituelle Erfahrungen, ihr hochsensibles Gespür für Verbindungen zwischen den Glaubenswelten und ihre hyperaktive Imaginationspotenz suchen ihresgleichen.

Buchempfehlung zum Thema Schamanismus:
Niklaus Brantschen. Du bist die Welt. Schamanischer Weisheit auf der Spur.

 


Abb. 9: Christliche Kontemplation (Bibel/Kirche)
Verwurzelt in der christlichen Tradition: Sammlung Verantwortung und das stille Hören auf das Wort Gottes. 

 


Abb. 10: Hinduistische Kontemplation (Feuer / Ritual)
Im Feuer der Hingabe. Transformation durch Ritual, Präsenz und Opferbereitschaft.

 

 


Abb. 11: Jüdische Kontemplation. (Tora / Schriftrollen)
Im Bund mit der Schrift. Erinnerung, Verantwortung und lebendige Auslegung.

 


Abb. 12: Islamische Kontemplation (Buch / Feder)
Dem Wort verpflichtet. Achtsamkeit, Würde und die Kraft der überlieferten Weisheit.

 

 


Abb. 13: Buddhistische Kontemplation (Buddha / Stille)
In der Stille des Erwachens. Mitgefühl, Klarheit und das Loslassen des Anhaftens.

 


Abb. 14: Lars Rominger (dänische Mutter) im ikonographischen Grenzraum zwischen christlicher Symbolik und nordisch-heidnischer Tradition. Die Bildwirkung evoziert Assoziationen zur vorchristlichen skandinavischen Religiösität (Asatru), geprägt von Ordnung, Opferethos und kosmischer Verantwortung. Die Religion der Wikinger war eine polytheistische nordgermanische Glaubenswelt (u.a. Odin, Thor, Frey/Freya), stark verbunden mit Natur, Schicksal (Wyrd), Ehre undVerantwortung. Kultische Praxis erfolgte weniger dogmatisch als rituell und gemeinschaftlich.

 

Nachfolgend noch zwei Making of – Bilder.


Abb. 15: Lars Rominger im kontemplativen „Making-of“: Die Biblia Hebraica als Zeichen der Verwurzelung im Wort Gottes und der Offenheit für geistige Tiefe jenseits der konfessioneller Grenzen.

 


Abb. 16: Haltung statt Rolle: Lars Rominger im liturgischen Gewand. Ein Moment zwischen Ernst, Hingabe und spielerischer Bewusstheit über Form und Bedeutung.

 

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